| Bay of Islands (Zum Album hier klicken) |
Letztes Wochenende haben wir endlich mal einen richtig großen Ausflug gemacht, wir waren bei der Bay of Islands. Das liegt ungefähr 4h nördlich von Auckland, das aber auch nur deswegen, weil es keine Autobahn gibt und man sich nur auf achterbahnartigen Serpentinenstraßen entlang quält. Da ich natürlich bis Freitagabend arbeiten musste, konnten wir erst um 18h los fahren, so dass wir leider überhaupt nichts von der schönen Landschaft während der Fahrt mit bekamen. Unser Ziel hieß Elliot Bay, genauer gesagt, das Strandhaus meiner Chefin, das sie uns netterweise ziemlich günstig für das Wochenende überlassen hatte – auch „Up there“ genannt (www.upthereinnz.com) . Die Wegbeschreibung war abenteuerlich und genauso verlief auch die Fahrt. Kaum waren wir aus dem engeren Umkreis von Auckland draußen, war keine Seele weit und breit zu erblicken, geschweige denn irgendwelche Lichter oder sonstige Lebenszeichen. Nach meinem Geschmack ein bissle gruselig, Dennis fands einfach nur entspannend :-) Auf der Straße sah man immer wieder zermatschte Tierteile liegen, die verdächtig nach Kuscheltier aussahen, so dass wir natürlich unbedingt wissen wollten, wer denn da so langsam durch die Wildnis wackelt, dass er ständig überfahren wird. Die Frage wurde bald beantwortet: Opossums! Diese Zeitgenossen latschen mit einer Gemütlichkeit über die Straße, das ist unglaublich. Sie sehen einen schon von weitem kommen, bleiben auf der Fahrbahn stehen und gucken gelangweilt bis neugierig nach dem hellen Störenfried und wenn man dann schließlich unmittelbar davor zum Stehen gekommen ist, setzen sie sich ganz langsam in Bewegung und verschwinden gemächlich im Gebüsch. So ein Opossumleben muss wirklich wunderbar entspannt sein. Nach knapp 4h erreichten wir endlich Elliot Bay und bekamen von einer Farmerin den Schlüssel für unser Minihäuschen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir quer über die Ländereien der Farm fahren, durch sämtliche Kuhgatter und einen – für unsere Knutschkugel viel zu steilen – Berg hinauf. Dort angekommen, konnte man wirklich glauben, es gäbe niemanden sonst auf der Welt: Alles stockdunkel und ganz in der Nähe konnte man das Meer rauschen hören. Die Wohnung war klein, aber toll eingerichtet und mit ganz vielen riesigen Fenstern (so dass ich schon alle neuseeländischen Schwerverbrecher bei uns einsteigen sah...). In dieser Nacht habe ich so schlecht geschlafen wie ungefähr vor meiner letzten Physikarbeit vor 7Jahren. Draußen hat es die ganze Zeit geknackt und gerauscht und seltsame Geräusche gemacht und ich wusste, dass wir kein Telefon hatten und die Farm mit dem Auto ca.5min entfernt war. Das hat mich ein wenig beunruhigt, ich gebs zu. Das Schlimmste kam aber erst am nächsten Morgen: Gegen halb sieben wurde ich durch befremdliche Geräusche geweckt, meine kurzsichtigen Augen nahmen einen großen Schatten hinter den Vorhängen wahr und plötzlich sagte jemand mit einer ganz tiefen Stimme „mooarning!“ Ich fiel beinahe ausm Bett und machte einen Riesensatz zu Dennis hin, der auch aufgewacht war. Überzeugt davon, dass draußen vor dem Fenster eine unangenehme Gestalt hockte, bereit zum Überfall, brachte ich den armen schlaftrunkenen Dennis dazu, nachzuschauen. Ich versteckte mich unter der Bettdecke, während er den Vorhang aufzog und vor Lachen losbrüllte. Vor dem Fenster stand eine dicke Kuh, schaute zu uns rein und machte „muh!“ Das war mein Verbrecher.
Am Samstag machten wir zuerst eine Schiffstour durch einen kleinen Teil der Bay of Islands mit (das sind insgesamt 150 Inseln, logischerweise haben wir nur ca. ein Zehntel davon gesehen), um zum einen die Inseln zu bestaunen und zum anderen, um Delfine zu beobachten. Nach kurzer Zeit tummelten sich tatsächlich ein paar dolphins um den Schiffsbug und spähten neugierig aus den Wellen zu uns hoch, kleine Kunststückchen inklusive. Später sahen wir noch einen winzig kleinen blue penguin, die werden nur 40cm groß.
Außerdem aalten sich zwei sea lions in der Sonne und blinzelten uns verschlafen zu. Die Tour ging gut drei Stunden, einen Teil davon schipperten wir relativ weit draußen herum (um durch das berühmte hole in the rock zu fahren), so dass einige der Passagiere ein bisschen bis sehr seekrank wurden , was andere Passagiere nicht davon abhielt, vergnügt zu futtern.
Wenn man sich die Inseln anschaut, kann man sich richtig vorstellen, wie James Cook damals gelandet ist (die Bay of Islands war tatsächlich das Fleckchen, wo die Engländer Neuseeland zum ersten Mal betraten): traumhafte Strände, kristallklares Wasser, satte grüne Wiesen, lustige Tierchen im Wasser und keine Menschenseele weit und breit.
Unser Maori-Kapitän erzählte uns allerdings begeistert, dass seine Vorfahren die kleinen Pinguine etc. zum BBQ verwendet hätten und sie ausgezeichnet schmecken sollen. Hm...
Nach unserer Bootstour machten wir uns zu den Haruru-Wasserfällen auf, die allerdings eine ziemliche Enttäuschung waren, wir hatten uns das viel größer vorgestellt. Anschließend gings dann noch in die Kawiti Glow-worm Caves, eine geführte Tour durch eine Tropfsteinhöhle, in der glow worms an der Decke hängen und durch ihren Verdauungsakt die Höhle illuminieren. Tja, würde das bei Hunden auch so funktionieren, würde man da nicht so oft rein treten, das wär geschickt. Es sah wirklich lustig aus, beinahe wie eine kleine Milchstraße!
Als wir abends im Dunkeln heimkamen, hing eines der kleinen Kälber direkt vor unserem Haus mit dem Kopf im Zaun drin, d.h. es war gerade dabei, sich vor Panik zu strangulieren, weil es den Kopf nicht aus der Schlinge heraus bekam. Die große Kuhmama stellte sich natürlich schützend davor und guckte mich kampflustig an, als ich einen Schritt darauf zu machte, so dass wir schnell den Farmer holten, der das Kälble zum Glück noch retten konnte. Sah auf jeden Fall nicht schön aus...
Am Sonntag gönnten wir uns ein Frühstück de luxe und kraxelten dann zu unserem Strand hinunter. Dennis wollte eigentlich mit dem Kayak bissle rumeiern, aber das Wasser war eiskalt, die Wellen hoch und irgendwann fings dann auch noch zu regnen an. Also verbrachten wir den Rest des Tages in unserem kleinen kuscheligen Häusle und machten uns abends schweren Herzens wieder gen Auckland auf.
Da wir nicht einmal getankt hatten und die Tankstellen dummerweise abends bzw. nachts nicht auf haben, wären wir beinahe noch mit nem leeren Tank stehen geblieben, aber quasi in letzter Minute fanden wir doch noch eine offene Tankstelle. Das wär ein Abenteuer gewesen, mitten in der Pampa mit unserem Miniauto stehen und da pennen, umgeben von unbekannten Tieren und unheimlichen Geräuschen – da hätte Dennis ne schlimme Nacht gehabt :-)




