
Ich fühle mich alt. Um ehrlich zu sein, uralt. Man stelle sich vor, man muss mit seinem neuseeländischen Mitbewohner seinen ZWANZIGSTEN Geburtstag feiern (welcher übrigens nichts Besseres zu tun hat, als seine noch jüngeren Freunde einzuladen). Naja, eigentlich wars total witzig, als Hamish am Freitag seinen 20. feierte. Er hatte uns seine Party schon lange angekündigt und ungefähr 40 Leute eingeladen, kurzum, er hat sich wie bescheuert drauf gefreut.
Als ich dann nach dem Arbeiten heim kam, stand er schon ganz aufgeregt am Mischpult und probierte sich als DJ, während zwei seiner supercoolen Freunde dabei saßen und eben einfach nur cool waren. Drei Stunden später sollte die Party eigentlich in vollem Gange sein, aber irgendwie kam einfach null Stimmung auf, dabei hätte es so toll sein können: ein stark pubertierender DJ (der anscheinend 18 war, was ich persönlich aber anzweifle) stand am Mischpult und legte eine Platte nach der anderen auf, im Hintergrund war die Skyline von Auckland zu sehen und die ganzen Kiwi-Chicas waren aufgebrezelt, als ob sie ins Theater wollten. Tja, so verhielten sie sich leider auch – an nem Bier nippend standen sie in den Ecken und observierten, wer denn nun der Coolste von allen sei.
Und zwischendrin standen wir, die „Alten“ aus Deutschland und amüsierten uns von Glas zu Glas besser, getreu dem Motto viel hilft viel... Als wir Mädels dann auch noch zu tanzen begannen, hatten wir im Club der Coolen natürlich komplett verspielt und ich hatte so das Gefühl, dass sie uns so anschauten, wie ich früher in der 6.Klasse meine Mutter angeschaut habe, als sie in der Schülerdisco begonnen hat, den Dancefloor zu rocken: Entsetzt. „Wie peinlich können die denn sein?!“ Hamish war total enttäuscht von seiner Party und sein Blick wurde minütlich glasiger, so dass er hellbegeistert war, als wir kurz nach Mitternacht vorschlugen, noch in die Stadt clubben zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle aber schon ziemlich bis extrem angeheitert, so dass es ein Wunder war, dass wir überhaupt in den Club rein gelassen wurden.
Nachdem wir ungefähr ne Stunde wie die Bekloppten getanzt hatten, sank langsam mein Alkoholpegel und ich merkte, wie mir die Füße in den hohen Schuhen weh taten und dass es keine schlechte Idee wäre, gen Heimat zu wandeln. Glücklicherweise gings Lena (meiner Mitbewohnerin) genauso und so machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Ich fürchte, wir boten einen amüsanten Anblick: Andi, 2m groß, mühsam voraus schreitend, Lena und ich jammernd (wegen unseren Füßen) hinterher tippelnd und ganz hinten Dennis, der laut hicksend, aber strahlend und glücklich das Schlusslicht bildete. Hamish hatten wir irgendwo im Gewühl verloren.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen